MODE KUNST ARCHITEKTUR

Dieser Blog ist dem Material gewidmet, der Konstruktion, der Technik, der Opulenz und der Schönheit, dem Spektakulären, Aufregenden, Anekdotischen, den kleinen Details und dem großen Gesamteindruck, der Bewegung, der Farbe, dem Vergangenen und der Zukunft.

Samstag, 14. Mai 2016

NEUE HEIMAT. Eine Ausstellung zur Wirkungsmacht der nachkriegsmodernen Architektur auf die zeitgenössische Kunst

Mit Werken von 
Matias Bechtold, Laure Catugier, Chris Dreier, EVOL, Gary Farrelly, Alekos Hofstetter & Florian Göpfert, Carsten Nicolai, Tim Trantenroth und Julia Zinnbauer, kuratiert von Alekos Hofstetter

Text: Alekos Hofstetter
Fotos: Julia Zinnbauer


Links: Laure Catugier, Mitte und an der Wand: Julia Zinnbauer - Das Kleid für die autogerechte Stadt


























galerie weisser elefant
Bezirksamt Mitte von Berlin Fachbereich Kunst & Kultur
Auguststraße 21
10117 Berlin
Tel. (030) 28 88 44 54
www.galerieweisserelefant.de
30. 4. - 4. 6. 2016
Di. - Fr.: 11 - 19 Uhr, Sa.: 13 - 19 Uhr




Avantgardistisch, komfortabel oder auch nur trist? Die Architektur der Nachkriegsmoderne ruft mit ihrer modernen Formensprache die unterschiedlichsten Gefühle und Meinungen hervor. In den kontroversen Auseinandersetzungen um die Gestaltung der Innenstädte und den Debatten um Alt- und Neubauten, dem Prozess der Gentrifizierung, wie um niedrige Mieten in Bauten der sechziger und siebziger Jahre, spielen die architektonische Bedeutung und die baugeschichtliche Herkunft der Gebäude der Nachkriegs-Moderne meist keine Rolle. Umbau oder Abriss – die Veränderung der alten Bausubstanz ist nicht nur in Berlin im vollen Gange. Am Ausgangspunkt des Projektes NEUE HEIMAT stehen die beiden Fragen: von welcher Moderne sprechen wir eigentlich? Und wie fern ist uns die Moderne heute? Die Ausstellung zeigt Werke, welche neue Bezüge aufbauen zu den gesellschaftlichen Utopien, die zur Grundlage der Architektur der Moderne wurden und beleuchtet somit die unterschiedlichen Phasen des Umgangs mit diesem architektonischen Erbe in einem anderen Licht. Ist es heute möglich, durch eine Re-Konstruktion eines utopischen Kontextes, die Distanz, die unsere Gesellschaft zur Architektur der Moderne unterhält, nicht nur sichtbar zu machen sondern gleichzeitig, für eine "Aneignung" dieser Architektur der Nachkriegs-Moderne für die Gegenwart zu sorgen und sie zu einer „neuen Heimat“ zu machen? (A. Hofstetter, 2016)


Matias Bechtold


Freitag, 13. Mai 2016

NEUE HEIMAT in der galerie weißer elefant, Berlin - Die Vernissage




NEUE HEIMAT. Links: Modelle von Matias Bechtold, rechts: Fotografie von Chris Dreier




Die Ausstellung NEUE HEIMAT handelt von der außergewöhnlichen Wirkung, die die Architektur der Nachkriegsmoderne auf die zeitgenössische Kunst ausübt und ist zurzeit in der galerie weißer elefant (Link) in Berlin zu sehen. Zehn Künstlerinnen und Künstler zeigen dort ihre ganz unterschiedliche Auseinandersetzung mit den Gebäuden und den städtebaulichen Ideen der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, kuratiert von Alekos Hofstetter, der ebenfalls mit einigen Arbeiten vertreten ist. 

Unter dem Namen „Tannhäuser Tor“ (Link) erforscht Alekos Hofstetter zusammen mit Florian Göpfert die Zusammenhänge zwischen den gesellschaftlichen und politischen Hintergründen und dem Entstehen und Vergehen des Begriffs der Moderne. Fasziniert von der Zeichenhaftigkeit und der weltweiten Verbreitung der Architektur der Nachkriegsmoderne schaffen die beiden Künstler zusammen Grafiken, Malereien und Wandarbeiten, die diese großen Zusammenhänge zum Thema haben. Dieser Geist der Moderne, der hinter den Arbeiten von Tannhäuser Tor steht, liegt natürlich auch dem Konzept des Projekts NEUE HEIMAT zu Grunde.



Vor den Fotografien im Hof der Galerie: Julia Zinnbauer, Laure Catugier und Kurator Alekos Hofstetter (Foto: J. Grölle)


Die Eröffnung der Ausstellung fand während des Gallery Weekends in der galerie weißer elefant statt, und so flanierten hunderte von kunstwilligen Besuchern die Auguststraße in der Nähe des Tacheles entlang. Stehen blieben sie allerdings alle an dem Stromkasten, der sich vor dem weißen elefanten befindet und den EVOL (Link) am Vortag der Eröffnung in einen seiner typischen Plattenbauten verwandelt hatte, und fanden dann ihren Weg in die Ausstellung NEUE HEIMAT. Mehr von EVOLS Auseinandersetzung mit dem modularen Bauen ist dort noch bis zum 4. Juni 2016 zu sehen, zusammen mit Arbeiten von Matias Bechtold, Laure Catugier, Chris Dreier, EVOL, Gary Farrelly, Alekos Hofstetter & Florian Göpfert, Carsten Nicolai, Tim Trantenroth und Julia Zinnbauer.

Um all der verschiedenen Herangehensweisen gerecht zu werden, bedarf es eines weiteren, umfassenderen Berichts. Hier nun erst einmal einige Eindrücke der Vernissage, mit der die Ausstellung am 30. April 2016 eröffnet wurde.

Darüber hinaus referiert am 21. Mai Lukas Feireiss in den Räumlichkeiten der Galerie über das Thema „Architektur und Stadt als Gegenstand der zeitgenössischen Kunst“, gefolgt von einer Katalogpräsentation von Matias Bechtold und einer Industrial-Performance von Chris Dreier und Gary Farrelly. Weitere Informationen zu der Veranstaltung finden sich hier: Link.



Carsten Nicolai: pt. 02' (Video, 2012)



Links: Julia Zinnbauer - Das Kleid für die autogerechte Stadt



Tim Trantenroth


Samstag, 30. April 2016

NEUE HEIMAT: Eröffnung heute Abend in der galerie weißer elefant, Berlin


Während gestern die Besucher des Gallery Weekends in Berlin die Auguststraße auf und ab flanierten, verwandelte EVOL den Stromkasten vor der galerie weißer elefant in einen der Plattenbauten, für die er bekannt ist. Mehr von EVOLs Architekturphantasien gibt es ab heute Abend im Rahmen der Ausstellung NEUE HEIMAT zu sehen, zusammen mit Arbeiten von Matias Bechtold, Laure Catugier, Chris Dreier, Gary Farrelly, Alekos Hofstetter & Florian Göpfert, Carsten Nicolai, Tim Trantenroth und Julia Zinnbauer, kuratiert von Alekos Hofstetter.
galerie weißer elefant (Link)
August Straße 21
Berlin
19 Uhr
 

Donnerstag, 14. April 2016

NEUE HEIMAT in der galerie weißer elefant in Berlin

Eine Ausstellung zur Wirkungsmacht der nachkriegsmodernen Architektur auf die zeitgenössische Kunst mit Werken von Matias Bechtold, Laure Catugier, Chris Dreier, EVOL, Gary Farrelly, Alekos Hofstetter & Florian Göpfert, Carsten Nicolai, Tim Trantenroth und Julia Zinnbauer.  
Kuratiert von Alekos Hofstetter (Link)

Eröffnung am Samstag, dem 30. April 2016 um 19 Uhr

Avantgardistisch, komfortabel oder auch nur trist? Die Architektur der Nachkriegsmoderne ruft mit ihrer modernen Formensprache die unterschiedlichsten Gefühle und Meinungen hervor. In den kontroversen Auseinandersetzungen um die Gestaltung der Innenstädte und den Debatten um Alt- und Neubauten, dem Prozess der Gentrifizierung, wie um niedrige Mieten in Bauten der sechziger und siebziger Jahre, spielen die architektonische Bedeutung und die baugeschichtliche Herkunft der Gebäude der Nachkriegs-Moderne meist keine Rolle. Umbau oder Abriss – die Veränderung der alten Bausubstanz ist nicht nur in Berlin im vollen Gange.

Am Ausgangspunkt des Projektes NEUE HEIMAT stehen die beiden Fragen: von welcher Moderne sprechen wir eigentlich? Und wie fern ist uns die Moderne heute? Die Ausstellung zeigt Werke, welche neue Bezüge aufbauen zu den gesellschaftlichen Utopien, die zur Grundlage der Architektur der Moderne wurden und beleuchtet somit die unterschiedlichen Phasen des Umgangs mit diesem architektonischen Erbe in einem anderen Licht. Ist es heute möglich, durch eine Re-Konstruktion eines utopischen Kontextes, die Distanz, die unsere Gesellschaft zur Architektur der Moderne unterhält, nicht nur sichtbar zu machen sondern gleichzeitig, für eine "Aneignung" dieser Architektur der Nachkriegs-Moderne für die Gegenwart zu sorgen und sie zu einer „neuen Heimat“ zu machen? (Text: Alekos Hofstetter)

galerie weisser elefant
Auguststraße 21
10117 Berlin

ÖFFNUNGSZEITEN
Di. bis  Fr. von 11 bis 19 Uhr 
Sa. von 13 bis 19 Uhr




Donnerstag, 31. März 2016

Oberflächen und ihre Geschichte - Thomas Hirsch über die Ausstellung "Heimatplan" im Magazin engels


























Nach seinem aufregenden Bericht für das Magazin biograph (Link), das in Düsseldorf erscheint, hat der Kunsthistoriker Thomas Hirsch für die März-Ausgabe der Wuppertaler Zeitschrift engels einen weiteren, sehr treffend formulierten Text geschrieben, der unsere Ausstellung Heimatplan elegant zusammenfasst. Bitte klicken Sie hier: Link

Und jetzt schauen wir in die Zukunft und nach Berlin, wo einige der Heimatplan-Künstler Ende April wieder zusammentreffen werden, kuratiert von Alekos Hofstetter.

Montag, 28. März 2016

Scissorella schreibt für Halstenbach Fine Clothes bei der New York Fashion Week





“Halstenbach Fine Clothes stands for a deep love for luxurious materials and highly elaborate details. As there is almost a sculptural approach towards fashion you can experience a tension between the abstract shapes of the woolen dresses, cardigans and scarves and the coziness of the soft and silky surfaces.”

Als Andrea Halstenbach, Gründerin und Designerin des Kaschmir- und Merinolabels Halstenbach Fine Clothes, Anfang des Jahres von der Agentur four18 zur PRONTO Fashion Trade Show (Link) eingeladen wurde, im Rahmen der New York Fashion Week ihre aktuelle Kollektion zu präsentieren, benötigte sie für Ihre Teilnahme weit mehr als drei Überseekoffer und eine nüchterne Bestandsliste. Sie brauchte ein Lookbook, ein Portfolio, das vor allem eines wecken sollte: das unwiderstehliche, dringliche Verlangen, sich in Halstenbachs elegante Strickwaren zu hüllen, und das so erworbene, luxuriöse Lebensgefühl an Kundinnen auf dem gesamten amerikanischen Kontinent weiterzugeben.



Foto: Fee Louisa Halstenbach


Während Andrea Halstenbach also all die hochwertigen, in Italien auf historischen Strickmaschinen hergestellten Kleider, Schals, Jacken und Röcke, die in ihrer Zartheit so wie so kaum etwas wiegen, grammgenau in eine Liste eintrug, sie zollgerecht verpackte und alle weiten Vorbereitungen für ihre Reise nach Manhattan traf, entstand parallel dazu ein opulentes Lookbook. Die Fotografin Ann-Christin Freuwörth war dabei für den visuellen Teil verantwortlich, zusammen mit Stefan Wintgen, von dem das Layout stammt. Das Vorwort, das das Label in seiner Verwurzelung zwischen Tradition und Zukunft und zwischen Minimalismus und Opulenz verortet, habe ich verfasst (Link).

Dienstag, 23. Februar 2016

Die Textur der Großstadt. Thomas Hirsch schreibt im biograph über die Ausstellung "Heimatplan", über Scissorella und über das Konzept, das allem zugrundeliegt






Die Ausstellung „Heimatplan“ (Link), die ich zusammengestellt habe und die zurzeit in der Galerie GRÖLLE pass:projects in Wuppertal zu sehen ist (Link), hat der Kunsthistoriker Thoams Hirsch zum Anlass genommen, einen umfassenden Text über mich für die aktuelle Ausgabe des biographen zu schreiben.

In seinem Bericht, der den Titel „Textur der Großstadt“ trägt, geht Thomas Hirsch zunächst detailliert auf meinen Blog ein, legt das Konzept dar, das hinter meinen Arbeiten steht und beschreibt meine Auseinandersetzung mit der Architektur bzw. wie ich mich dem Thema auf unterschiedliche Weise und mit verschiedenen Medien nähere. Er erläutert meine „Feldforschung“ und wie ich dabei das nüchtern Analytische mit dem Opulenten, Lebendigen verbinde, wie ich in meinen Videos durch außergewöhnliche Architektur laufe, tanze und schwimme, in selbst entworfenen Kostümen durch den Weltraum fliege und dabei immer auf der Suche nach Schönen bin und nach den Konstruktionen und Systemen, die hinter allem liegen. Selbst der Bungalow, in dem ich aufgewachsen bin, findet seinen Platz in Thomas Hirschs Text.
 

Zu sagen, dass ich mich über einen derart tiefsinnigen, schönen Text einfach freue, wäre zu schlicht ausgedrückt. Ich kann es an dieser Stelle nicht anders formulieren, als in meiner üblichen, ein wenig opulenteren Art und Weise. Als ich mir den biographen ganz lege artis in einer bekannten Düsseldorfer Buchhandlung geholt hatte und wieder auf die Straße trat, umfing mich das gleißende Sonnenlicht eines Vorfrühlingsmittags, sodass ich in all meiner Begeisterung über den spektakulären Bericht förmlich nicht weniger als das Gefühl hatte, auf einem goldenen Lichtstrahl nach Hause zu gleiten. 

Der Text von Thomas Hirsch ist auf der Internetseite des biographen zu lesen, und zwar hier: https://www.biograph.de/julia-zinnbauer, oder noch schöner in der Printversion der Februarausgabe des Magazins, flankiert von einem Standbild aus meinem Kurzfilm "surveillance souterraine". 


Montag, 8. Februar 2016

HEIMATPLAN. Brutalismus und die Architektur der Nachkriegsmoderne in der Galerie GRÖLLE pass:projects, Wuppertal





Eine Ausstellung über die Sicht zeitgenössischer Künstler auf die Architektur der Nachkriegsmoderne - zusammengestellt von Julia Zinnbauer.

23.01.2016 - 13.03 2016


Matias Bechtold (Berlin)
Chris Dreier (Berlin)
Bert Didillon (Köln)
Gary Farrelly (Dublin/ Brüssel)
Lothar Götz (London)
Alekos Hofstetter & Florian Göpfert (Tannhäuser Tor, Berlin)
Pablo de Lillo (Oviedo/Gijon)
Julia Zinnbauer (Düsseldorf)


Galerie GRÖLLE pass:projects
Friedrich-Ebert-Straße 143e
D-42117 Wuppertal
fon +49 (0)1732611115
www.passprojects.com
WED - FRI 4 - 7 PM / SAT 11 - 3 PM
Schwebebahn: Haltestelle Pestalozzistraße



Links: Zeichnungen von Lothar Götz, rechts die Arbeit "KM 1" von Matias Bechtold
























 


Architekten haben eine ganz bestimmte Sicht auf die Architektur der Nachkriegsmoderne. Kunsthistoriker haben wiederum einen anderen Blick auf die Gebäude dieser Epoche. Und das Feuilleton hat neben den reinen Fakten zumindest eine Meinung dazu, von totaler Ablehnung zu einer beinahe schon romantisierenden Begeisterung. Wie aber sehen Künstler die Architektur dieser Zeit? Wie gehen sie mit den Formen, den Materialien und vor allem den Ideen um, die hinter den Flughäfen, Bungalows, Swimmingpools, Verwaltungsgebäuden und Satellitenstädten aus Glas, Beton, Aluminium und Stahl stehen? Auf diese Frage geht die Ausstellung „Heimatplan“ ein, die zurzeit in der Galerie GRÖLLE pass:projects in Wuppertal zu sehen ist.
 
Die Idee zur Ausstellung
Der Ausgangspunk des Projekts „Heimatplan“ liegt im Besuch des Galeristen Jürgen Grölle der Ausstellung über den Architekten Paul Schneider von Esleben, die das Museum für Architektur und Ingenieurkunst NRW im August letzten Jahres in Düsseldorf organisiert hat. Durch die Lektüre meines Blogs und durch mein ständiges Hinweisen auf die eine oder andere Betonkirche aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg war Jürgen Grölle durchaus mit dem Thema vertraut. Die Auseinandersetzung mit dem kunstsinnigen Architekten Schneider von Esleben und der Verbindung, die durch dessen Architektur zwischen den Städten Düsseldorf und seiner Heimatstadt Wuppertal besteht, hat den Galeristen schließlich so von der Thematik eingenommen gemacht, dass er beschloss, mit mir zusammen eine Ausstellung über die Sicht zeitgenössischer Künstler auf die Architektur der Nachkriegsmoderne zu konzipieren.


Dienstag, 2. Februar 2016

HEIMATPLAN. Die Eröffnung unserer Ausstellung in der Galerie GRÖLLE pass:projects in Wuppertal




Von links: Jürgen Grölle, Alekos Hofstetter, Chris Dreier, Julia Zinnbauer, Gary Farrelly, Florian Göpfert vor Fotografien von Chris Dreier (Foto: U. Zinnbauer)

Ein umfassender Bericht über unsere Ausstellung "Heimatplan" (Link), die seit dem 23. Januar in der Galerie GRÖLLE pass:projects (Link) in Wuppertal zu sehen ist, folgt hier in Kürze. Hier erst einmal einige Momentaufnahmen der Eröffnung. Es war spektakulär, es war voll und es war überwältigend. Einen Dank an alle, die mit uns die Architektur der Nachkriegsmoderne und die Kunst gefeiert haben!








Sonntag, 31. Januar 2016

Paul Schneider von Esleben - Das Erbe der Nachkriegsmoderne. Die Ausstellungseröffnung in der Stadtsparkasse Wuppertal




Die sehnsüchtig erwartete Fortsetzung der Ausstellung „Paul Schneider von Esleben – Das Erbe der Nachkriegsmoderne“ des M:AI (Link), die im August letzen Jahres ihren Ausgangspunkt in Düsseldorf hatte (Link), wird nun in Wuppertal fortgesetzt. Nachdem sie zunächst in Düsseldorf im Mannesmann Hochhaus gastiert hatte, ist die aufwändig gestaltete Ausstellung seit dem 20. Januar im Foyer der Stadtsparkasse Wuppertal zu sehen. Wie das Mannesmann Hochhaus stammt auch das Gebäude der Stadtsparkasse Wuppertal von Paul Schneider von Esleben.

Nur wenige Tage vor der Ausstellungseröffnung war das gesamte Gebäudeensemble, das aus dem markant über der Stadt aufragenden Verwaltungsturm, einem Kundenzentrum und einem Parkhaus besteht, unter Denkmalschutz gestellt worden. Am Eröffnungsabend war die Stimmung dementsprechend umso euphorischer.

Nachdem die Leiterin des M:AI, Frau Dr. Ursula Kleefisch-Jobst, über das Leben und Werk des Düsseldorfer Architekten gesprochen hatte, hielt Historiker Michael  Okroy einen umfassenden Vortrag über die Entwicklung Wuppertals zur autogerechten Stadt und ging dabei auch auf die aktuellen Geschehnisse rund um den Döppersberg ein. Eine Fahrt hinauf in das gläserne Penthouse des futuristischen Gebäudes und der Blick über die nächtliche, im Tal funkelnde Stadt war darüber hinaus einer der Höhepunkte des Eröffnungsabends.

Bis zum 24. Februar 2016 kann die Ausstellung in der Stadtsparkasse Wuppertal am Islandufer noch besichtigt werden.

Dienstag, 19. Januar 2016

HEIMATPLAN. Eine Ausstellung über die Sicht zeitgenössischer Künstler auf die Architektur der Nachkriegsmoderne in der Galerie GRÖLLE pass: projects Wuppertal

Foto: Chris Dreier























Galerie Grölle pass:projects präsentiert

>> HEIMATPLAN <<

Eine Ausstellung über die Sicht zeitgenössischer Künstler auf die Architektur der Nachkriegsmoderne - zusammengestellt von Julia Zinnbauer.

Herzliche Einladung zur Ausstellungseröffnung am Samstag, dem 23.01.2016 um 19:00 Uhr


Mit Arbeiten von

Matias Bechtold (Berlin)
Chris Dreier (Berlin)
Bert Didillon (Köln)
Gary Farrelly (Dublin/ Brüssel)
Lothar Götz (London)
Alekos Hofstetter & Florian Göpfert (Tannhäuser Tor, Berlin)
Pablo de Lillo (Oviedo/Gijon)
Julia Zinnbauer (Düsseldorf)


Galerie GRÖLLE pass:projects
Friedrich-Ebert-Straße 143e
D-42117 Wuppertal
fon +49 (0)1732611115
www.passprojects.com
WED - FRI 4 - 7 PM / SAT 11 - 3 PM
Schwebebahn: Haltestelle Pestalozzistraße


Heimatplan

Der schmale elegante Turm der Stadtsparkasse Wuppertal überragt in seiner ungewöhnlich technischen, futuristisch wirkenden Form die gesamte Stadt und hebt sich deutlich von den Gründerzeitgebäuden der Industriemetropole ab. Beinahe von der ganzen Stadt aus ist das raumkapselartige Penthouse des Gebäudes zu sehen, von den waldigen Hängen des Bergischen Landes aus, von der Autobahn, die die Stadt an Düsseldorf und Köln anschließt und natürlich auch von der Schwebebahn aus, die am Fuße des markanten Turms vorbei rauscht und ein nicht weniger visionäres Wahrzeichen Wuppertals darstellt. Die Ausstellung „Heimatplan“, die am 23. Januar in der Galerie GRÖLLE pass:projects eröffnet wird, zeigt den Blick zeitgenössischer Künstler auf die Architektur der Nachkriegsmoderne (Link).

Die Architektur der Nachkriegsmoderne
Überall in Europa entstanden in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg Gebäude aus einem ganz ähnlichen Geist heraus wie der Turm der Stadtsparkasse. Die Architekten, die die zerstörten Städte wieder aufbauten, ganze Viertel und Zentren neu anlegten und eine neue Infrastruktur planten, verfolgten dabei ganz bestimmte Ideale. Es ging ihnen um das Umsetzen demokratischer Ziele, um menschenwürdiges Wohnen, um Transparenz und Eleganz und vor allem um einen optimistischen Glauben an die Zukunft. Neu entwickelte Materialien und Techniken aus der Luft- und Raumfahrt ermöglichten zudem innovative Gebäudeformen und nicht selten eine sehr skulpturale Herangehensweise.Die Architektur der Nachkriegsmoderne reicht in ihrer Bandbreite von streng funktionalen Modulbauten, Rasterfassaden und vermeintlich spröder Zweckarchitektur über futuristisch wirkende Space-Age-Konstruktionen bis hin zur rauen Opulenz brutalistischer Betonbauten.

Die heutige Sicht auf die Nachkriegsmoderne
Viele Gebäude dieser Epoche verschwinden heute beinahe unbemerkt aus dem Stadtbild, oftmals ohne Widerspruch der Bevölkerung. Andere werden im Rahmen des Bauens im Bestand bis zur Unkenntlichkeit modifiziert. Dabei geht gerade das, was das Charakteristische dieser Bauten ausmacht, verloren: die eleganten Proportionen, die aus dem Zusammenspiel von Linien und Flächen entstehen, die subtilen Details der Gestaltung, die sich beispielsweise in der Verbindung von Oberflächen und Fugen zeigen, bis hin zu den ganz typischen Materialien und Farben dieser Zeit. Einige wenige Gebäude, wie das der Stadtsparkasse Wuppertal, werden in ihrer Besonderheit geschätzt und unter Denkmalschutz gestellt. Oftmals jedoch sind sie großer Unkenntnis und Ignoranz ausgesetzt.

Wir leben in einer Zeit, in der man infolge einer riesigen Bilderflut wohlwollend auf alle möglichen Stile und Epochen zurückblickt. In den Bereichen Mode, Film und Architektur spielt der Retrogedanke seit Jahren eine große Rolle. Wie kann es jedoch sein, dass ausgerechnet die Architektur der Nachkriegsmoderne derart in Gefahr ist? Was ist aus den Utopien dieser Zeit geworden und wer glaubt heute noch an sie? Worin liegt die Schönheit der Gebäude, die in diesem Zusammenhang entstanden sind?

Heimatplan. Eine Ausstellung in der Galerie GRÖLLE pass:projects
Die Künstler der Ausstellung „Heimatplan“ stellen genau diese Fragen. So unterschiedlich sie sich in ihrem jeweiligen Medium mit den Formen und Idealen der Nachkriegszeit auseinandersetzen, so haben sie dennoch eine große Gemeinsamkeit. Allesamt sind sie geprägt von der Begeisterung für die architektonische Bildsprache der Nachkriegsmoderne. Sie betrachten die verschiedenen Gebäude dieser Epoche in ihrem kunst- und kulturgeschichtlichen Zusammenhang, stellen Bezüge zu städtebaulichen und gesellschaftlichen Fragen her, sehen aber auch das Phantastische in der Architektur dieser Jahre und die Verbindung zu Science-Fiction-Filmen, Sputnik-Schock und Mondlandung. 

„Heimatplan“ stellt die Bedeutung der Nachkriegsarchitektur in unserer heutigen Zeit heraus und lässt die ganz besondere Schönheit dieser Gebäude sichtbar werden.

Ausgangspunkt der Ausstellung ist der 100. Geburtstag des Architekten Paul Schneider von Esleben im Jahr 2015 und sein Entwurf für die Stadtsparkasse Wuppertal. Wie die einzelnen Künstler des Projekts „Heimatplan“ ihre Identifikation mit dem Geist der Moderne jeweils umsetzen, ist ab dem 23. Januar 2016 in der Galerie GRÖLLE pass:projects in Wuppertal zu sehen.

Zu weiteren Informationen geht es hier entlang: www.groelle.de, darüber hinaus kündigt auch das M:AI die Ausstellung "Heimatplan" in einem opulenten Artikel auf seiner Seite an (Link).

Ab dem 20. 01. 2016 ist zudem der zweite Teil der Ausstellung "Paul Schneider von Esleben - Das Erbe der Nachkriegsmoderne" des M:AI in der Stadtsparkasse Wuppertal zu sehen (Link).

Im April 2016 findet dann unter dem Titel  „Neue Heimat“ eine weitere Ausstellung zum Thema Nachkriegsmoderne in der Galerie weißer elefant in Berlin statt, die im  Zusammenhang mit dem Projekt „Heimatplan“ entsteht.

Montag, 18. Januar 2016

Paul Schneider von Esleben - Das Erbe der Nachkriegsmoderne. Teil 2 der Ausstellung des M:AI in der Stadtsparkasse Wuppertal




Immer vor Ort. Nie am selben.“ So lautet der Wahlspruch des M:AI (Link), des Museums für Architektur und Ingenieurkunst NRW. Zum Konzept des Museums gehört es, dass die Ausstellung des M:AI immer in außergewöhnlichen Gebäude stattfinden, die thematisch mit dem jeweiligen Projekt in Verbindung stehen. Die Ausstellung des M:AI über Paul Schneider von Esleben anlässlich des 100. Geburtstags des Architekten erstreckte sich im August letzten Jahres über die gesamte Heimatstadt des Düsseldorfers hinweg (Link). So erfuhr man nicht nur in Schneider von Eslebens Mannesmann Hochhaus über dessen Leben und Werk, sondern auch in der Architektenkammer NRW und in der Rochuskirche.

In Wuppertal findet nun der zweite Teil der Ausstellung statt, natürlich in einem weiteren spektakulären Gebäude Paul Schneider von Eslebens, dem weithin sichtbaren Ensemble der Stadtsparkasse Wuppertal am Islandufer.

Nach dem Entwurf für das Mannesmann Hochhaus in den Fünfzigerjahren avancierte Schneider von Esleben bald zum Hochhausexperten. In den Sechzigerjahren entwarf er für Düsseldorf zunächst das Commerzbank Hochhaus (1961 – 63) und das ARAG-Gebäude (1963 – 67) und wandte sich dabei zunehmend dem Einsatz von Beton zu. Zwischen 1969 und 1973 entstand dann das dreiteilige Gebäude der Stadtsparkasse Wuppertal , das nun gerade kürzlich, rechtzeitig zu der Eröffnung der Ausstellung, unter Denkmalschutz gestellt wurde.

Dabei berief man sich auf die innovative Konstruktion des Verwaltungsturms bzw. des gesamten Ensembles, auf die typologisch neuartige Kombination aus Kunden- und Verwaltungszentrum und auf die Bedeutung des markanten Turms für die gesamte Stadtsilhouette. Das Besondere an dem 75 Meter hohen Verwaltungsturm liegt darin, dass in einem ersten Schritt zunächst ein Betonkern gegossen wurde, in dem sich die Treppen- und Aufzugsschächte befinden, und dann in einem weiteren Arbeitsschritt die einzelnen Etagen von ober nach untern an diesen Kern angehängt wurden. Auf diese Weise schuf Schneider von Esleben neunzehn Etagen, die allesamt keine tragenden Säulen oder Pfeiler benötigen und deren Flächen somit frei einteilbar sind. Diese Form der Hängekonstruktion, die sich auch in Egon Eiermanns Olivetti-Häusern in Frankfurt und in den Gebäuden des Rathauses in Marl wiederfindet, geht auf die Erfindung zweier Wuppertaler Architekten zurück, auf die Brüder Bodo und Heinz Rasch, wobei letzterer bis zu seinem Tod in einem Haus am Döppersberg wohnte, nicht weit vom Islandufer entfernt.

Flankiert wird der Verwaltungsturm auf der einen Seite von einer Parkgarage mit auffälligen Spindeltreppen und auf der anderen Seite von einem Flachbau, der nach dem gleichen Hängeprinzip konstruiert wurde und das Kundenzentrum enthält. Ganz im Sinne des zukunftsweisenden Gebäudearrangements, das sich deutlich vom gesamten Stadtbild Wuppertals abhebt, beauftragte Paul Schneider von Esleben zudem den Krefelder Künstler Adolf Luther mit dem Entwurf einer Plastik. Über die gesamte Rückwand des Kundenzentrums hinweg erstreckt sich somit ein (ehemals) kinetisches Objekt, das aus Adolf Luthers typischen Glaslinsen besteht. In Form von insgesamt vierundvierzig Stelen drehten sich Luthers riesige reflektierende Glasobjekte ursprünglich um ihre eigene Achse und verbreiteten ein schillerndes Licht in der Schalterhalle. Die Dynamik ist generell ein wichtiges Thema im Werk Paul Schneider von Eslebens. Wie beim Gebäude für die Commerzbank Düsseldorf verfügte auch das des Stadtsparkasse Wuppertal einen Drive-in-Schalter für ganz eilige Kunden.


Dienstag, 5. Januar 2016

Literatur und Architektur - Teil 2: Max Frisch - Das Letzibad in Zürich (1942 - 49)



Im Werk des Schweizer Schriftstellers Max Frisch ist die Frage nach der eigenen Identität eines der zentralen Themen. In "Homo faber", Frischs bekanntestem Roman (1957), geht es darum, wie das gesamte sorgsam konstruierte Weltbild eines Ingenieurs in wenigen Wochen auseinanderfällt. Durch eine schicksalhafte Verkettung von Ereignissen und Begegnungen stellt die Titelfigur Walter Faber sein gesamtes bisheriges Leben in Frage und ist gezwungen, sich selbst ganz neu zu definieren. Bereits einige Jahre zuvor hatte Max Frisch in "Stiller" beschrieben, wie der Protagonist hartnäckig behauptet, eine ganz andere Person zu sein, obwohl ihn sein gesamtes Umfeld als den Stiller identifizieren kann, den es seit Jahren kennt. In "Mein Name sei Gantenbein" aus dem Jahr 1964 erfindet sich die Hauptperson schließlich immer wieder neue Identitäten, die er der Reihe nach anprobiert "wie Kleider". Das Material, mit dem Max Frisch all diese verschiedenen Persönlichkeiten erschafft, ist eine Sprache die zwischen sachlich-nüchtern und plastisch-opulent jede Nuance abdeckt. 

Mit dem ehemaligen Bademeister des Letzibades und jetzigen Leiter des dortigen Kunstvereins, Pierre Geering, auf der Betontreppe von Max Frischs Pavillon (Foto: Jürgen Grölle)
















Max Frisch als Architekt
Max Frisch selbst konnte sich über eine lange Zeit hinweg hinweg nicht entscheiden, ob er sich als Schriftsteller oder als Architekt definieren sollte. Als im Jahr 1949 in Zürich das Letzibad eröffnet wurde, das nach seinen Entwürfen gebaut worden war, hatte er bereits verschiedene Versionen seiner selbst ausprobiert.Enttäuscht von seinem schließlich abgebrochenen Germanistikstudium, hatte er sein Geld zunächst als Journalist verdient und war dann dem Vorbild seines Vaters gefolgt, um Architektur zu studieren. Im Jahr 1943 gewann er schließlich im Alter von zweiunddreißig Jahren den Wettbewerb für den Entwurf des Letzibades. Während der kriegsbedingt langen Bauzeit der Badeanlage folgte Max Frisch jedoch schon wieder seiner Doppelexistenz und schrieb mehrere Theaterstücke. Er erlebte somit gleichzeitig den Bau seines Bades und die Aufführung seiner Stücke in Zürich. Mit dem Fahrrad fuhr er zwischen Theater und Strandbad hin und her (Link) und war beeindruckt von der Umsetzung seine Ideen sowohl durch Schauspieler als auch durch Bauarbeiter. Im Verhältnis  Schreiben und dem Entwerfen von Gebäuden sah er nicht so sehr eine Spannung zwischen Theorie und Praxis, sondern war eher fasziniert von den verschiedenen Arten reflektierten Tuns. Insgesamt verfolgte er diese Form von Doppelexistenz über zwanzig Jahre hinweg.

Mittwoch, 9. Dezember 2015

Literatur und Architektur - Teil 1: Gabriele d'Annunzio und Giancarlo Maroni am Gardasee - Riva del Garda, la Città dell'Elettricità


Das Städtchen Riva del Garda habe ich zum ersten Mal vom Wasser aus gesehen. Tagelang waren wir mit dem Segelboot über den Gardasee gerauscht, hin und her, immer diagonal zum Wind, bis hin zu der Felsnase, die bei Limone in den See ragt, und wieder zurück, hin und her und hin und her, weit unterhalb der steil über dem glitzernden Wasser aufragenden, mattgrauen Felsmassen. Dann blieb der Mittagswind, die Ora, eines Tages aus. Wir fuhren immer langsamer und die Tage des exzessiven Durch-die-Gischt-Schießens waren zunächst einmal vorbei.

Vom Boot aus ist mir beim Segeln immer ein mächtiges gelbes Gebäude aufgefallen, dessen massive Form die viel filigraner wirkenden Häuser Rivas weit überrragte. Es erinnerte mich an die großen alten Elektrizitätswerke, die ich aus dem Ruhrgebiet kannte, wie beispielsweise das Köppchenwerk am Hengsteysee (Link). Wir lenkten unseren Flying Dutchman in den Hafen von Riva, wo schlanke Segelboote zwischen eleganter Dreißigerjahresarchitektur auf dem klaren Wasser wippten. Ganz vorne, an der Einfahrt des kleinen Hafens, grüßte ein schmaler, schlanker Art-Déco-Sprungturm auf den See hinaus. Alles schien filigran, flirrend, hell und mondän. Eine Mischung aus "Zauberberg" und "Nur die Sonne war Zeuge". 

Mittwoch, 11. November 2015

Mit dem Flying Dutchman im Goldenen Schnitt über den Gardasee


Verschiedene Daseins- und Ausdrucksformen allzu streng voneinander zu trennen, sie in Kategorien einzuteilen und sie am Ende in eine wertende Reihenfolge zu bringen, finde ich oft ein wenig unaufregend. Dagegen bin ich um so begeisterter, wenn sich auf einmal ganz viele verschiedene Elemente miteinander verbinden und einzelne Kunstformen wie Literatur, Architektur, alle Arten von Bildern, Mode, Bildhauerei, Choreographie, aber auch das Leben selbst, das Anekdotische, Menschliche, die Landschaft, die Bewegung und die Geschwindigkeit plötzlich ein überwältigendes Ganzes bilden, ein Gesamtkunstwerk. Nach Oscar Wilde ist das Leben selbst das größte Kunstwerk, das es zu gestalten gilt, die ganz große Inszenierung.



Vor kurzem habe ich genau so einen Zusammenschluss vieler verschiedener und allesamt vollkommener Einzelelemente erlebt, ein dreidimensionales, perfektes Bild, durch das ich mich in Pfeilgeschwindigkeit hindurchbewegt habe, im glitzernd reflektierten Licht des Sommers. Ich bin in einem Segelboot über den Gardasee gefahren, in einem weißen Flying Dutchman aus Carbon.

In aufeinanderfolgenden Worten kann man die Situation beinahe gar nicht beschreiben. Stattdessen bedarf es einer absoluten Gleichzeitigkeit, einer Überlagerung der Worte, Bilder und Eindrücke, etwas wie die Gischt selbst, durch die man hindurch schießt, die einem ins Gesicht klatscht und einem in der majestätischen Gebirgslandschaft die Perfektion des Augenblicks vergegenwärtigt – das sich auf den Moment verdichtete Leben.

Dienstag, 10. November 2015

www.SCISSORELLA.de wird sieben!




Zum siebten Geburtstag meines Blogs habe ich es endlich geschafft. Ich sitze mit einem Milchkaffee und einem MacBook in einem berliner Café und korrespondiere mit der Weltöffentlichkeit. Draußen wartet der taubenblaue Kunsttransporter auf mich. Oder ist das nur die stets beschworene Internet-Illusion und das zünftige Kartoffel-Omelett am vorderen Bildrand ist nur geliehen? Auf jeden Fall wünsche ich meinem Blog und all seinen treuen und fachkundigen Lesern alles Gute und verspreche, dass es hier bunt und glamourös weitergeht. 

Auf die Zukunft und auf die Vergangenheit! 

Fotos: J. Grölle

Donnerstag, 22. Oktober 2015

Apollo in meinem Atelier. Heinz Mack im Museum Küppersmühle in Duisburg

Heinz Mack in seiner eigens für die Ausstellung angefertigten Arbeit "Raum für Apollo".


Heinz Mack kämpft für das Schöne und bleibt dabei unbeirrt von Moden, Zeitströmungen und den Entwicklungen des Kunstmarkts. In seinem Bestreben, dem Elend der Welt etwas Schönes entgegen zu stellen, präsentiert er seit dem 21. Oktober im Museum Küppersmühle (Link) in Duisburg bisher ungezeigte Skulpturen, Gemälde und kinetische Lichtobjekte unter dem Titel „Apollo in meinem Atelier“.

Das Schöne ist nicht tot, es ist nur scheintot
Im Katalog zur Ausstellung erläutert Mack sein Verhältnis zur Schönheit in dem Aufsatz „Das Schöne ist nicht tot, es ist nur scheintot“ aus dem Jahr 1994 und bedauert dabei, dass der Begriff des Schönen in der zeitgenössischen Kunst keine Rolle mehr spielt. Für Mack selbst sind das Schöne und die Kunst zwei untrennbare Begriffe und er beschreibt in seinem Text, wie sich die Sicht auf das Schöne seit den griechischen Philosophen entwickelt hat, bis hin zur heutigen Bilderflut. Er zitiert Heraklit, Aristoteles und Plato in ihrem Streben nach Harmonie und einer Einheit von Inhalt und Form. Er geht auf Schiller ein und auf dessen Überlegung, dass es die Kunst ermöglicht, die Materie zu überwinden und den Menschen so aus deren kausalen Zwängen zu befreien und wie durch diese Entstofflichung die Schönheit zum Vorschein kommt. Heute dagegen sei in der Kunst alles erlaubt, verbindliche Werte existierten nicht mehr und anstatt einer Antwort auf die Frage, was Kunst denn nun ist, herrsche nur ein Überangebot an Kunst, eine inflationäre Kulturindustrie. Alles dürfe heute zitierbar und deformierbar sein, alles sei austausch- und kombinierbar. In diesem „hemmungslosen Bildterror“ so Mack, sei der Künstler dazu gezwungen, eine so eigene Bildsprache zu entwickeln, dass oftmals keinerlei Verbindung mehr zum bekannten Natur- und Menschenbild zu erkennen sei.

Heinz Mack kämpft für das Schöne
Bei der Pressekonferenz anlässlich der Ausstellungseröffnung im Museum Küppersmühle gab sich Heinz Mack kämpferisch wie immer. Er ärgerte sich darüber, dass das Schöne in der Kunstwelt heute ein Tabu ist, vor allem bei Intellektuellen. Für ihn selbst sei das Schöne eine Möglichkeit, dem Elend der Welt etwas entgegen zu stellen und er versprach, seine Möglichkeiten dahingehend bis an seine Grenzen auszuschöpfen. Das, was er im Katalog philosophisch fundiert ausgearbeitet hatte, schleuderte er seinen Zuhörern nun so energisch wie bildhaft entgegen. Das Schöne existiert doch, meinte er, das könne man nicht verneinen. Seine Tochter z.B. sei doch wirklich schön, da habe es schließlich überhaupt keinen Sinn, das Gegenteil zu behaupen. Spätestens bei der Ausstellungseröffnung am gleichen Abend, zu der Mack mit Tochter erschien, konnte man sich davon überzeugen.


Apollo in meinem Atelier
Heinz Mack, der sich seit seiner Zeit als Gründungsmitglied der Gruppe ZERO auf unterschiedlichste Weise mit dem Phänomen Licht auseinandersetzt, sieht im griechischen Gott Apollo den idealen Verbündeten. Homer beschreibt Apollo als den Gott der Künste und des Lichts, er ist der Glänzende, Strahlende, Leuchtende und so widmet ihm Mack im Rahmen seiner Ausstellung auch eine begehbare Arbeit, den vielfarbigen „Raum für Apollo“. Die neun glitzernden, das Licht brechenden Rotoren, die in der Küppersmühle zu sehen sind, würden Apollo vermutlich ebenso begeistern, wie die zahllosen Skulpturen und Gemälde Macks. Tatsächlich hatte Mack seit 1963 der Leinwand den Rücken gekehrt und stattdessen über Jahrzehnte hinweg mit Plexiglas, spiegelnden Flächen, Marmor, Metall, Feuer und dem Licht selbst in all seinen Erscheinungsformen experimentiert, war in die Wüste gereist, um seine Arbeiten der grellen Sonne auszusetzen und in die Arktis, bis er schließlich ab dem Jahr 1991 wieder malte: Chromatische Konstellationen.




Das geheimnisvolle Leuchten
Das Besondere an der Ausstellung im Museum Küppersmühle liegt darin, dass Apollo die dort gezeigten Arbeiten durch seine Atelierbesuchen bei Heinz Mack zwar bereits kennen mag, sie für die Öffentlichkeit allerdings bisher noch nie zu sehen waren, und das nach dreihundert Einzelausstellungen des Künstlers.  Das geheimnisvollste und schönste Objekt der Ausstellung ist vielleicht das Lichtprisma, dessen Sterne und Neonbögen immer wieder aufleuchten und verschwinden. Und im Geheimnisvollen liegt laut Mack schließlich ebenfalls etwas, was in der Kunst erhalten werden muss.



Freitag, 16. Oktober 2015

Der gekaufte Traum - Helga Reidemeisters Filme über das Märkische Viertel



Die großen Hochhaussiedlungen, die nach dem Zweiten Weltkrieg überall in Europa an den Stadträndern entstanden, wurden von Anfang an scharf kritisiert. Die junge Filmemacherin Helga Reidemeister machte sich ab den späten 60erjahren ein ganz eigenes Bild vom Leben an der Peripherie, stand über Jahre hinweg in engem Kontakt zu den Bewohnern des Märkischen Viertels und drehte schließlich mehrere Dokumentarfilme über die Großwohnsiedlung im Nordwesten Berlins. Die Fotos, die Helga Reidemeister in diesem Zusammenhang aufnahm, sowie auch einige ihrer Filme aus dieser Zeit, sind noch bis zum 18. Oktober in vor Ort im Märkischen Viertel zu sehen, in der Viertelbox (Link).

Die Großwohnsiedlung am Stadtrand
Das Märkische Viertel, das in den 60er- und 70erjahren im Nord-Westen Berlins nach Plänen von Christian Müller und Georg Heinrichs angelegt wurde (Link), musste von Anfang an mit seinem Image kämpfen. Nach dem Zweiten Weltkrieg herrschte in Berlin ein großer Mangel an Wohnraum und sowohl in der Innenstadt als auch in dem ursprünglich sumpfigen Gebiet bei Reinickendorf, wo die neue Hochhaussiedlung entstehen sollte, lebte man in Baracken und Notunterkünften. Um der Wohnungsnot Herr zu werden, wurden schließlich sogar Gebäude abgerissen, die die Bombardements und Kriegswirren überstanden hatten, zugunsten von riesigen, neu gebauten Wohnanlagen, wie beispielsweise das Kottbusser Tor in Kreuzberg. Diese Abrisse ganzer Areale in Verbindung mit der Umsiedlung von Leuten aus ihrem gewohnten Umfeld in zunächst gleichförmig und steril wirkende Wohnblocks, die sich im schlimmsten Fall weit außerhalb der Stadt befanden, sorgten damals für Kritik und Protest. Zusätzlich zu der Entfernung der neuen Wohngebiete wie dem Märkischen Viertel, Marzahn oder der Gropiusstadt zu den lebendigen, gewachsenen Zentren Berlins, kam die anfängliche Kargheit, die die neuen Gebäude umgab. Die geplanten Grünflächen mussten schließlich erst noch zu einem harmonischen Gesamtbild zusammenwachsen und das Bild von Kindern, die auf kargem Beton spielten, prägte sich im kollektiven Gedächtnis ein. Bis heute spricht man Satelliten- und Trabantenstädten ihre Wohnlichkeit ab und kritisiert die mangelnde Lebensqualität in den Hochhaussiedlungen an den Rändern großer Städte. 


Donnerstag, 15. Oktober 2015

Interbau 1957: Paul Schneider von Esleben im Hansaviertel, Berlin



Der 100. Geburtstag des Architekten Paul Schneider von Esleben und die damit einhergehenden Ausstellungen in Düsseldorf (Link) liegen nun schon einige Wochen zurück. Die Schneider-Esleben-Begeisterung, der auf dieser Seite mittlerweile schon seit vielen Jahren Raum gegeben wird (Link), reißt hier natürlich auch weiterhin nicht ab. So lag es bei meinem letzten Besuch in Berlin nahe, auch dort ein Gebäude des Düsseldorfer Architekten zu besuchen, und zwar ein vierstöckges Wohnhaus im eleganten Hansaviertel.

Mitte der Fünfzigerjahre waren Architekten aus der ganzen Welt zusammengetreten, um im Westen Berlins die neue Bebauung des Hansaviertels zu planen. Unter den Teilnehmern des "Interbau" (Link) genannten Projekts befand sich damals neben Oscar Niemeyer, Le Corbusier, Paul Baumgarten, Egon Eiermann (Link) und Walter Gropius auch Paul Schneider von Esleben, dessen Beitrag ganz im Westen des Viertels umgesetzt werden sollte, zwischen der Altonaer Straße und der S-Bahn-Linie. Dort bildet es den Abschluss einer Reihe von vier parallel zueinander stehenden, diagonal zur S-Bahn-Linie ausgerichteten Zeilenbauten.

Paul Schneider von Eslebens vierstöckiges Gebäude besteht aus einer Basis von elf nebeneinander im Abstand von fünfeinhalb Metern aufgestellten tragenden Wänden, sogenannten Schotten, die nicht durchbrochen werden durften. Die auf diese Weise entstandenen zehn identischen Gebäudeabschnitte teilte der Architekt in jeweils zwei übereinanderliegende, zweistöckige Wohnungen ein. Dabei ordnete er die Schlafzimmer der übereinander gestapelten Wohnungen in den beiden mittleren Geschoßen des Hauses an, um dort eine besonders ruhige Zone zu schaffen. Die Lage des Zeilenbaus in der Nähe der S-Bahn-Linie verlangte es zudem, die Wirtschaftsräume und die außenliegenden Treppenaufgänge auf der Nordseite anzuordnen, sodass die Schlaf- und Wohnzimmer zum ruhigeren Süden und zur Sonne ausgerichtet sind.

Mittwoch, 9. September 2015

Scissorella berichtet im PSE-Magazin darüber, wie man mit Architektur und Mode Welten erschaffen kann

Paul Schneider von Esleben - Das Erbe der Nachkriegsmoderne. Eine Ausstellung des Museums für Architektur und Ingenierkunst NRW in Düsseldorf 

 




























Für die Ausstellung „Paul Schneider von Esleben - Das Erbe der Nachkriegsmoderne“ (Link), die anlässlich des 100. Geburtstags des Architekten im Düsseldorfer Mannesmannhochhaus und in der Architektenkammer eröffnet wurde, entwickelte das Team des Museums für Architektur- und Ingenieurkunst ein eigenes Magazin (Link). Zwischen zahllosen Texten und Fotos, die den Architekten und sein Werk in allen Facetten darstellen, befindet sich auch ein Bericht über meinen Blog und mein Verhältnis zur Mode, zur Kunst und zur Architektur. Im Zusammenhang der Architekturgeschichte und des Jetsets der Nachkriegsmoderne so schön präsentiert zu werden, freut mich natürlich sehr!

Neben dem Film ist die Architektur das ideales Medium, um die alltägliche Realität zu verlassen und sich für eine bestimmte Zeit in eine ganz andere Welt zu begeben. In einem anspruchsvoll geplanten Gebäude beziehen sich die einzelnen Elemente aufeinander, bis hin zum kleinsten Detail. Somit erfüllt gute Architektur im Idealfall den Anspruch an ein Gesamtkunstwerk. Vergleichbar ist es beim Film, wo der gebaute Raum zusätzlich in einem Verhältnis zur Bewegung der Figuren und der Kamera, zum Rhythmus der Schnitte und der Sprache und nicht zuletzt zu den Materialien, Formen und Proportionen der Kostüme steht. Aus diesem Grund war und ist es mir oft nicht möglich, Architektur getrennt von anderen Kunstformen zu betrachten, sondern als berauschendes, überwältigendes Gesamtarrangement aus Material, Form, Licht, Bewegung, technischen Details, skurrilen Anekdoten, interessanten Personen etc.

Foto: Michael Zimmermann
Als ich anfing, Kleider zu entwerfen und zu nähen, schwang dabei oft der Gedanke mit, dass man sich durch ein Kleidungsstück in seiner Phantasie an einen Ort versetzten kann, den man in der Realität nicht erreichen kann. Ein Kleid anstatt eines Hauses.Mit der Zeit wurden mir dann Gestaltungs- und Konstruktionsprinzipien der Architektur klar, die wiederum in meine Kleiderentwürfe einflossen.

Ich entwickelte einen Blick für die verschiedenen Stilepochen in der Architektur, ein Gespür für das Bildhauerische, das Skulpurale und den Rhythmus, also all das, was sich genau so auf die Mode anwenden lasst, auf die Literatur und in allen anderen Formen der Kunst erscheint.

Einer der Architekten, die mit ihren Gebäuden das Ziel des Gesamtkunstwerks verfolgten und darüber hinaus nie eine Grenze zwischen Kunst und Leben zogen, war Paul Schneider von Esleben. Das Bild Düsseldorfs in der Nachkriegsmoderne wurde maßgeblich von den Bauten PSEs, wie ihn seine Fans nennen, geprägt. Den Berichten und Bildern des PSE-Magazins nach, das anlässlich der Ausstellung des M:AI erschienen ist, musste allerdings auch der Architekt selbst dem Bild eines typischen Jetset-Lebemanns dieser Zeit entsprochen haben. Nicht umsonst wurde PSE als „Schneider-Jetleben“ bezeichnet. Er entwarf elegante Hochhäuser und sah einen Hubschrauberlandeplatz auf dem Dach der Hanielgarage vor, er plante den modernen Flughafen in Köln Bonn und jettete von dort aus rund um die Welt, er entwarf sich sein eigenes Segelboot, mit dem er nach Südfrankreich fuhr, zu seiner Villa direkt an der Küste, er legte natürlich Wert auf seine Garderobe und - wenn man die Details eines Hochhauses entwirft, warum sollte man dann nicht auch Schmuck entwerfen können? Kurz: PSE gestaltete sein gesamtes Leben als Gesamtkunstwerk.

Scissorella und PSE-Autorin Jenny Janson (Foto: Ellen Heyer)



Um das Lebensgefühl, für das Paul Schneider von Esleben steht, lebendig zu vermitteln, entschlossen sich die Macher des PSE-Magazins Autorin Jenny Janson und Paul Andreas, der Kurator der Ausstellung, auch einen Bericht über die Verbindung von Mode und Architektur in ihr Programm aufzunehmen.

Dass sie sich dabei an mich wandten, freute und überraschte mich natürlich riesig. Beide hatten unabhängig voneinander einen Bericht auf meinem Blog entdeckt, bei dem ich in einem von mir entworfenen Kleid vor der Hanielgarage posiere (Link).

Als ich das Kleid entwarf, das ich auf den Fotos trage, war ich gerade im absoluten Fünfzigerjahres-Fieber. Ich war fasziniert von den Filmen, der Mode, dem Design und der Architektur der Zeit und suchte in meiner Umgebung immer nach etwas, mit dem ich mich auf eine Zeitreise begeben konnte. Die Hanielgarage entsprach in ihrer Form, in dem Zukunftsglauben, der ihrer Konstruktion zugrunde liegt, in ihren Technicolor-Farben genau der Atmosphäre, die ich suchte, bis hin zu dem ihr angeschlossenen Motel, das in jedem Amerikanischen Spielfilm der Nachkriegszeit eine Rolle spielen könnte.


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